Komödie
Regie: Julius Grimm
mit: Sarah Mahita (Resi) · Nhung Hong (Sophie) · David Ali Rashed (Philipp ) · Julian Gutmann (Michi) · Beritan Balci (Mel)
Deutschland 2025 | 99 Minuten | ab 6
Eine junge Frau klaut die Asche ihres verstorbenen Freundes, um sie in den Bergen zu verstreuen. Doch ein tödlicher Autounfall befördert sie und ihre Clique direkt in eine bayerische Jenseitsbehörde, wo eine absurde Bürokratie über ihre Schicksale entscheidet. Das will die Verstorbene aber nicht hinnehmen, lässt sich als Praktikantin beim Hausmeister der Behörde anstellen und sinnt auf Wege, wieder auf die Erde zurückzukehren. Die Coming-to-Death-Komödie wirkt durch die Wirren ihrer Liebesgeschichte etwas überladen. Die Kombination aus heruntergedimmter Wes-Anderson-Ästhetik und einem spielfreudigen Darstellerensemble überzeugt jedoch mit viel Witz als bildstarke Komödie über Tod, Liebe und Selbstbestimmung. - Ab 14.
Komödie
Regie: Raphaële Moussafir
mit: Mélanie Doutey (Julie) · Chantal Lauby (Françoise) · Gérard Darmon (Michel) · Camille Lellouche (Charlotte) · Vanessa Guide (Océane)
Frankreich 2024 | 84 Minuten | ab 0
Zwei Tage vor Weihnachten wird eine alleinstehende Französin zum Geburtstag von ihrer Familie überrascht und mit deplatzierten Geschenken überhäuft, obwohl sie Präsente nicht ausstehen kann. Bei ihrer Schwester sorgt ein gedankenloses Mitbringsel sogar für eine handfeste Ehekrise. Die unterschiedlichen Episoden des luftigen Reigens aus Schenken und Beschenktwerden finden erst am Weihnachtsfeiertag zusammen. Eine auf eingängige Unterhaltung gebürstete Komödie, die ihre anvisierte Bissigkeit nie erreicht und sich in läppischen Scheinproblemen verliert. - Ab 14.
Drama
Regie: Neele Leana Vollmar
mit: Anke Engelke (Rita) · Ulrich Tukur (Hans) · Lukas Rüppel (Tom) · Maria Hofstätter (Gitti) · Markus Hering (Edwin)
Deutschland 2025 | 123 Minuten | ab 6
Die Ehefrau eines Schuldirektors fühlt sich durch den bevorstehenden Ruhestand ihres Mannes bedroht. Nach 35 gemeinsamen Jahren ist ihre Beziehung längst in kalter Routine erstarrt. Das Drama seziert das Leben dieses Paars mit lakonischer Präzision. Dialoge und Situationen sind anfangs von leiser Komik, doch schon bald mehren sich düstere Vorzeichen. Ein tragischer Unfall stülpt dann allzu bemüht Dramatik über die Tristesse. Ein Kammerspiel im Zwischenreich von Vertrautheit und Entfremdung, das von zwei aneinander gebundenen Menschen und deren verbliebenen Möglichkeiten erzählt. - Ab 16.
Drama
Regie: Christian Petzold
mit: Paula Beer (Laura) · Barbara Auer (Betty) · Matthias Brandt (Richard) · Enno Trebs (Max) · Philip Froissant (Jakob)
Deutschland 2025 | 86 Minuten | ab 12
Ein Autounfall im Berliner Umland, bei dem ihr Freund stirbt, führt eine junge Klavierstudentin ins Haus einer fremden Frau, die sie mit mütterlicher Fürsorge umgibt. In der Rolle einer Tochter findet sie neue Kraft, und auch die ältere Frau, die von einem schweren Verlust gezeichnet ist, erwacht zu neuem Leben, was ihre zerrüttete Familie wieder zusammenwachsen lässt. Doch die Illusion ist nur von kurzer Dauer. Der mit großer Sensibilität fotografierte Film erzählt eine spätsommerliche Heilungsgeschichte, leicht und ohne konzeptuellen Überbau. Ganz will der Film seinem Mosaik auftauender Gefühle aber doch nicht trauen, sodass vieles sowohl durch Blicke als auch durch Worte angedeutet und damit gedoppelt. - Ab 14.
Drama
Regie: Stefan Haupt
mit: Albrecht Schuch (James Larkin White) · Paula Beer (Julika Stiller-Tschudy) · Max Simonischek (Staatsanwalt Rolf Rehberg) · Marie Leuenberger (Sibylle Rehberg) · Stefan Kurt (Verteidiger Bohnenblust)
Schweiz/Deutschland 2024 | 99 Minuten | ab 12
In den 1950er-Jahren wird ein US-Amerikaner bei einer Reise in die Schweiz festgenommen. Zeugen meinen in ihm einen sieben Jahre zuvor verschwundenen Bildhauer wiederzuerkennen, der in eine Politaffäre verwickelt war, doch der Mann streitet alles ab. Staatsanwalt und Pflichtverteidiger versuchen die Sache zu klären, doch selbst Frau und Freunde des Verschwundenen können die Identität des Festgenommenen nicht beschwören. Die Adaption des gleichnamigen Romans von Max Frisch strafft die Vorlage geschickt und kreist auf zwei Zeitebenen um schillernde, nicht endgültig festgeschriebene Identitäten. Die Inszenierung arbeitet Geist und Kolorit der Zeit sorgsam heraus und kann sich auf hervorragende Darsteller verlassen. - Ab 14.
Drama
Anschließend: Filmgespräch mit Elke Hoffmann, Hospizverein Segeberg e.V. und Karsten Wendt, Hospiz Lebensweg, Bad Oldesloe
Regie: Benjamin Kramme
mit: Jennifer Sabel (Nadine) · Barbara Philipp (Renate) · Hildegard Schroedter (Marion) · Carlos Moselewski · Axel Werner
Deutschland 2025 | 97 Minuten | ab 12
Eine unheilbar an Brustkrebs erkrankte Frau zieht in ein Hospiz, um dort ihre letzten Tage zu verbringen. Während sich ihre Familie – auch ihr kleiner Sohn – zunehmend von ihr zurückzieht, erlebt sie in Begegnungen mit Pflegerinnen und Mitbewohnern kurze Momente des Trosts. Der Film schildert schnörkellos den langsamen, unausweichlichen Prozess des Sterbens, mit all seiner sozialen Isolation und den psychischen Herausforderungen. Zugleich fängt er den Alltag einer mit großem Feingefühl arbeitenden Einrichtung ein. Trotz einer teils lockeren Dramaturgie überzeugt er durch seinen präzisen Blick und nähert sich der Ungeheuerlichkeit der eigenen Vergänglichkeit unsentimental und authentisch. - Sehenswert ab 14.
Biopic
Regie: Kirill Serebrennikov
mit: August Diehl (Josef Mengele) · Max Bretschneider (Rolf) · David Ruland (Hans Sedlmeier) · Friederike Becht (Martha) · Mirco Kreibich (Alois Mengele)
Frankreich/Deutschland/Mexiko/Uruguay/Lettland 2025 | 135 Minuten | ab 12
Der berüchtigte NS-Kriegsverbrecher und Lagerarzt von Auschwitz-Birkenau Josef Mengele ist nach dem Krieg untergetaucht. Unter falschem Namen lebt er mit Hilfe eines weit verzweigten Netzwerks von Kollaborateuren in Südamerika und entgeht über Jahrzehnte hinweg erfolgreich der Strafverfolgung. Das biografische Drama zeichnet die historischen Stationen Mengeles akribisch nach, kontrastiert sie mit seinem unbeschwerten Leben zur NS-Zeit, und kulminiert in einer Auseinandersetzung des alten Mannes mit seinem Sohn. Dabei bekommt der mit Schwarz-weiß-Bildern und suggestivem Sounddesign arbeitende Film aber jenseits des unter Hochdruck agierenden Hauptdarstellers den Charakter von Mengele nicht zu fassen und bleibt auf Gemeinplätze über das Monster im Menschen beschränkt. - Ab 16.
Komödie
Regie: Laura Piani
mit: Camille Rutherford (Agathe Robinson) · Pablo Pauly (Félix) · Charlie Anson (Oliver) · Annabelle Lengronne (Chéryl) · Liz Crowther (Beth)
Frankreich 2024 | 98 Minuten | ab 0
Eine Liebhaberin der Romane von Jane Austen arbeitet in einem Pariser Buchladen und träumt von der großen Liebe und einem Leben als Schriftstellerin. Als sie bei einem Schreibwettbewerb einen Aufenthalt in der Jane-Austen-Writers-Residenz in England gewinnt, könnte beides in Erfüllung gehen. Doch dann sorgen plötzlich zwei Männer und eine Schreibblockade für reichlich Chaos in ihrem Leben. Eine romantische Komödie als liebenswert ironischer, leichthändig inszenierter Mix aus „Bridget Jones“ und „Stolz und Vorurteil“, gefilmt in leuchtenden Farben und märchenhafter Atmosphäre. - Ab 14.
Biopic
Regie: Agnieszka Holland
mit: Idan Weiss (Franz Kafka) · Peter Kurth (Hermann Kafka) · Katharina Stark (Ottla Kafka) · Sebastian Schwarz (Max Brod) · Carol Schuler (Felice Bauer)
Tschechien/Deutschland/Polen 2025 | 128 Minuten | ab 16
Eine filmische Biografie des tschechischen Schriftstellers Franz Kafka mit einem nicht-chronologischen, kaleidoskopartigen Zugang: Zentrale Aspekte aus seinem Leben wie das schwierige Verhältnis zum Vater, das eintönige Arbeitsleben, die gespaltene Aufnahme seiner literarischen Werke und seine gequälten Beziehungen zu Frauen werden aufgegriffen, wobei Kafkas Schwester Ottla und sein Freund Max Brod als Erzählerfiguren fungieren. Der experimentelle, durch die Jahrzehnte springende Zugriff erweist sich in manchen Sequenzen als effektvoll, in anderen aber auch als vordergründig und unsubtil. Zudem bewegt sich der Film fast ausschließlich auf bereits vielfach erforschtem Gelände. - Ab 16.
Drama
Regie: Mia Maariel Meyer
mit: Luna Wedler (Tilda) · Zoë Baier (Ida) · Jannis Niewöhner (Viktor) · Laura Tonke (Andrea) · Zoe Fürmann (Marlene)
Deutschland 2025 | 102 Minuten | ab 12
Eine Mathematikstudentin, die mit ihrer alkoholsüchtigen Mutter und ihr jüngeren Schwester in einer tristen Kleinstadt lebt, hält mit ihrer Fürsorge und Beständigkeit das prekäre Familienleben zusammen. Raum für sich selbst findet sie nur im Schwimmbad, wo sie einem mysteriösen jungen Mann begegnet, der wie sie stets 22 Bahnen schwimmt. Als ihr eine Promotionsstelle angeboten wird, die sich mit ihrem bisherigen Alltag kaum vereinbaren lässt, gerät sie in innere Not. Die Adaption eines erfolgreichen Romans hält sich eng an die Vorlage und kreist um Verantwortung und Schuld, Traum und Trauma, ohne sich zu einer eigenständigen Interpretation aufzuschwingen. Die Qualität des Films resultiert größtenteils aus der Leistung der drei Hauptdarstellerinnen, die den Figuren Komplexität und Widersprüchlichkeit verleihen. - Ab 14.
Coming-of-Age-Film
Regie: Fatih Akin
mit: Jasper Billerbeck (Nanning) · Laura Tonke (Hille Hagener) · Lisa Hagmeister (Tante Ena) · Kian Köppke (Hermann) · Lars Jessen (Opa Arjan)
Deutschland 2024 | 93 Minuten | ab 12
Ein zwölfjähriger Junge versucht in den letzten Kriegstagen auf der Nordseeinsel Amrum, für seine Mutter ein Stück Weißbrot mit Butter und Honig aufzutreiben, wofür er die raren Zutaten bei den Insulanern eintauschen muss. Auf seiner Tour bemerkt er, wie tief die ideologische Spaltung die Menschen entzweit. Der Film nach den Jugenderinnerungen von Hark Bohm lebt von seinen stimmungsvollen Bildern und einem prägnanten Darstellerensemble. Die Grausamkeit der Kriegsjahre und die Gräueltaten des NS-Regimes blitzen nur am Rande auf. Als erzählerische Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus funktioniert er deshalb nur bedingt, als kurzweiliger, stimmungsvoll gefilmter Jugendfilm aber durchaus. - Ab 14.
Drama
Regie: Wolfgang Becker
mit: Charly Hübner (Micha Hartung) · Christiane Paul (Paula Kurz) · Leon Ullrich (Alexander Landmann) · Leonie Benesch (Natalie Hartung) · Thorsten Merten (Harald Wischnewsky)
Deutschland 2025 | 113 Minuten | ab 6
Ein vor dem Bankrott stehender Videothekenbetreiber aus Berlin avanciert 2019 durch eine kleine Flunkerei unfreiwillig zum Ex-DDR-Helden und verliebt sich zugleich in eine Staatsanwältin. Er soll als Eisenbahner im Jahr 1984 dafür gesorgt haben, dass eine S-Bahn aus Ost-Berlin mit 127 DDR-Bürgern in den Westen gelangte. Der letzte Kinofilm des 2024 verstorbenen Regisseurs Wolfgang Becker ist eine schwungvolle Filmsatire über einen tragikomischen Hochstapler wider Willen. Die ideenreiche, von einem spielfreudigen Ensemble umgesetzte Komödie setzt markante Akzente, indem sie Auswüchse der Medienindustrie, deutsch-deutsche Empfindlichkeiten und Rituale der Erinnerungskultur kritisch hinterfragt. - Ab 12.
Drama
Regie: Craig Brewer
mit: Hugh Jackman (Mike/Lightning) · Kate Hudson (Claire/Thunder) · Ella Anderson (Rachel) · Hudson Hensley (Dayna) · King Princess (Angelina)
USA 2025 | 133 Minuten | ab 12
In den 1980er-Jahren begegnen sich bei einer Musikveranstaltung in Wisconsin, auf der Amateure musikalische Legenden imitieren, ein Automechaniker, der für den Musiker Neil Diamond schwärmt, und eine lebensfrohe Sängerin. Die beiden werden ein Paar und gehen als Diamond-Tribute-Band „Lightning and Thunder“ auf Tournee. Doch dann ereilen sie unerwartete Schicksalsschläge. Eine auf wahren Begebenheiten beruhende unterhaltsame Mischung aus Biopic und Musikfilm, die in der ersten Hälfte durch perfekt nachempfundene Auftritte des Duos überzeugt, um dann ins Fahrwasser eines Melodrams zu münden. Dieses ist hochemotional und kann der dank der leidenschaftlichen Hauptdarsteller gleichfalls überzeugen. - Ab 14.
Dokumentarfilm
Regie: Wilfried Hauke
mit: Sofia Pekkari (Astrid Lindgren) · Tom Sommerlatte (Sture Lindgren)
Schweden/Deutschland 2025 | 103 Minuten | ab 12
Vor ihrem Durchbruch als Kinderbuchautorin mit „Pippi Langstrumpf“ (1945) führte Astrid Lindgren (1907-2002) während des Zweiten Weltkriegs Tagebücher, in denen sie auch Gedanken und Ängste über das Kriegsgeschehen und ihre Arbeit in der Postzensur notierte. Der Dokumentarfilm setzt die erst posthum veröffentlichten Aufzeichnungen mit Spielszenen sowie mit Interviews mit Lindgrens Nachfahren um und widmet auch den Problemen in ihrem Privatleben viel Aufmerksamkeit. Dem formal routiniert erzählten Film geht es insbesondere um die Notizen, die Astrid Lindgren als mitfühlenden, politisch denkenden Menschen zeigen, der Nazi-Deutschland und die Sowjetunion mit Sorge und Abscheu betrachtete und Empathie gegenüber den Kriegsopfern bezeugte. Die unaufgeregte Machart lässt sich dabei auch als Huldigung an die reflektierte Haltung Lindgrens begreifen. - Ab 14.
Drama
Regie: Cherien Dabis
mit: Saleh Bakri (Salim) · Cherien Dabis (Hanan) · Mohammad Bakri (Sharif) · Adam Bakri (junger Sharif) · Maria Zreik (Munira)
Zypern/Palästinensergebiete/Deutschland/Katar/Saudi-Arabien/Jordanien/Griechenland 2025 | 146 Minuten | ab 12
Sieben Jahrzehnte im Leben einer palästinensischen Familie: 1948 bombardieren paramilitärische Truppen Jaffa und vertreiben die Palästinenser aus ihren Wohnungen. Der Großvater wird verhaftet, seine Frau verlässt mit den Kindern Jaffa und geht ins Westjordanland. 30 Jahre später geht noch immer ein Riss durch die Familie: Der Vater versucht sich an die Verhältnisse anzupassen, während sich sein Sohn radikalisiert. Ein kraftvolles Familienepos, in der die bekannte palästinensische Perspektive auf die Entstehung des Nahost-Konflikts den Hintergrund für die Entwicklung der Figuren darstellt. Lebendig wirkt der Film vor allem durch klug gezeichnete, schillernde Figuren, die eigentlich nur ein normales Leben führen wollen. - Ab 14.
Drama
Regie: Ari Aster
mit: Joaquin Phoenix (Sheriff Joe Cross) · Pedro Pascal (Bürgermeister Ted Garcia) · Emma Stone (Louise) · Austin Butler (Vernon Jefferson Peak) · Deirdre O'Connell (Dawn)
USA 2025 | 150 Minuten | ab 16
Im Sommer 2020 lösen die Corona-Schutzmaßnahmen in einer Kleinstadt in New Mexico einen Konflikt zwischen dem liberalen Bürgermeister und dem Sheriff auf, der sich zum Kämpfer gegen „abgehobene Eliten“ stilisiert. Während die Präsenz von Demonstranten und einem Sektenführer die Lage weiter anheizt, führt die wachsende Gewaltbereitschaft des Sheriffs wie auch großer Teile der Stadt zu einer Eskalation von unfassbaren Ausmaßen. Eine satirische schwarze Komödie mit Westernanleihen, die in einem bleihaltigen Höllentrip mündet. In der ausfransenden Handlung sind manche Stränge schwächer als andere, die kompromisslose Inszenierung einer sich verselbständigenden Paranoia bewirkt gleichwohl einen frappierenden Wiedererkennungseffekt. - Ab 16.
Drama
Regie: Anders Thomas Jensen
mit: Mads Mikkelsen (Manfred) · Nikolaj Lie Kaas (Anker) · Sofie Gråbøl (Margrethe) · Lars Brygmann (Lothar) · Søren Malling (Werner)
Dänemark/Schweden 2025 | 116 Minuten | ab 16
Nach fünfzehn Jahren hinter Gittern kehrt ein Mann zu seinem Bruder zurück, der als einziger weiß, wo die Beute aus einem Raubüberfall versteckt ist. Doch der Bruder ist psychisch stark gehandicapt und kann sich nur noch bruchstückhaft erinnern. Um seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen, suchen sie nahe ihrem Elternhaus im Wald nach dem Schatz, wo sie es auch mit einer Reihe anderer gestörter Persönlichkeiten zu tun bekommen. Der zwischen Tragik und Situationskomik in vielen Nuancen schillernde Film geizt nicht mit expliziter Gewalt, lässt hinter dem Wahnwitz der Figuren aber immer wieder deren emotionale Traumatisierungen in der Kindheit aufscheinen. Allen blutigen Knalleffekten zum Trotz geht es um eine ernste Auseinandersetzung mit Themen wie Identität und Anderssein. - Ab 16.
Drama
Regie: Joachim Trier
mit: Renate Reinsve (Nora Borg) · Inga Ibsdotter Lilleaas (Agnes Borg Pettersen) · Stellan Skarsgård (Gustav Borg) · Elle Fanning (Rachel Kemp) · Anders Danielsen Lie (Jakob)
Norwegen/Dänemark/Schweden/Deutschland/Frankreich 2025 | 133 Minuten | ab 12
Nach dem Tod ihrer Mutter müssen sich zwei Schwestern mit ihrem lange abwesenden Vater, einem Filmregisseur, arrangieren, der nach der Beerdigung plötzlich auftaucht. Der möchte seine ältere Tochter für die Hauptrolle in einem autobiografischen Film gewinnen. Als diese ablehnt, engagiert er eine Hollywood-Schauspielerin an ihrer Stelle. Der Film verwebt Trauer und Familienkonflikt zu einem vielschichtigen Drama, in dem Realität, Theater und Film immer wieder ineinander übergehen. Durch Spiegelungen, scheinbar authentische Räume und trickreiche Perspektiven wird das Thema der Echtheit radikal infrage gestellt. Ein raffiniert gebautes Spiel über die therapeutischen Zuschreibungen von Kunst, deren manipulative, aber schöpferische Kraft Wahrhaftigkeit eher erschafft als abbildet und gerade darin tröstet. - Sehenswert ab 14.
Drama
Regie: Ildikó Enyedi
mit: Tony Leung Chiu-Wai (Tony) · Luna Wedler (Grete) · Enzo Brumm (Hannes) · Marlene Burow (Gundula) · Sylvester Groth (Anton)
Ungarn/Frankreich/Deutschland 2025 | 147 Minuten | ab 6
Als 2020 die Corona-Pandemie ausbricht, sitzt ein asiatischer Neurowissenschaftler auf dem Campus der Uni Marburg fest. In der Isolation wendet er sich, inspiriert von einem alten Gingkobaum im Botanischen Garten, der Wahrnehmung und Kommunikation von Pflanzen zu. Seine Geschichte wird mit zwei anderen Schicksalen verquickt, deren Zeuge der prächtige Baum wurde. Anfang des 20. Jahrhunderts kämpft eine Botanik-Studentin mit patriarchalen Vorurteilen, und in den 1970er-Jahren lernt ein Student eine Kommilitonin kennen, die sich für die Kommunikation von Pflanzen begeistert. Der mit 35mm- und 16mm-Material sowie digital gedrehte Film verschränkt diese Zeitebenen zu einem zarten Hohelied auf die Fähigkeit, die Grenzen der eigenen Wahrnehmung zu erkennen und neugierig nach einer Horizonterweiterung zu streben. Dabei glänzt er mit einer durchdachten Bildsprache und mit einem feinen Sinn für Humor. - Sehenswert ab 14.
Biopic
Regie: Chloé Zhao
mit: Jessie Buckley (Agnes) · Paul Mescal (William Shakespeare) · Joe Alwyn (Bartholomew) · Emily Watson (Mary) · Sam Woolf (Bernardo)
Großbritannien/USA 2025 | 126 Minuten | ab 12
Anfang 1580er-Jahre erhört Agnes Hathaway aus der kleinen Stadt Stratford-upon-Avon das Werben des Lateinlehrers William Shakespeare und bekommt mit ihm drei Kinder. Auch wenn sich der angehende Bühnenautor oft in London aufhält, verläuft das Familienleben glücklich, bis der Sohn Hamnet an der Pest stirbt. Die Trauer verarbeitet Shakespeare in seinem Drama „Hamlet“. Das großartig fotografierte und in den Hauptrollen eindringlich gespielte Melodram imaginiert das Ehe- und Familienleben Shakespeares sowie dessen fiktionale Verarbeitung. Bisweilen wird dabei aber etwas viel Schicksals- und Todessymbolik bemüht, um die tragische Geschichte emotional zu grundieren. - Ab 14.
Drama
Regie: Emerald Fennell
mit: Margot Robbie (Catherine Earnshaw) · Jacob Elordi (Heathcliff) · Hong Chau (Nelly Dean) · Alison Oliver (Isabella Linton) · Shazad Latif (Edgar Linton)
Großbritannien/USA 2026 | 137 Minuten | ab 16
Eine sehr freie Adaption des klassischen Romans von Emily Brontë über die fatale Liebesgeschichte zwischen einer englischen Gutsbesitzertochter und einem von allen verachteten Außenseiter, der Rache schwört, als sie einen anderen heiratet. Die Verfilmung verschiebt den Fokus von psychologischer Entwicklung und Klassenaspekten hin zu der Wechselbeziehung von Sex, Abhängigkeit und Zerstörung. Bar jeder Subtilität, setzt der Film auf visuellen Exzess mit grellen Schauwerten, Groschenästhetik und verruchtem Anstrich. Im Kern aber bleibt er zahm und hochkontrolliert, da er neben der verhängnisvollen Seite der Liebe auch die romantische miterzählen will. - Ab 16.
Biopic
ein Film von Johannes Hoffmann
und Charlotte Düwell & Regina Otto-Gerull
und vielen Schülerinnen & Schülern
basierend auf den Verhörprotokollen von 1937
Deutschland | 45 min
Dokumentarfilm
Regie: Vincent Munier
mit: Margot Robbie (Catherine Earnshaw) · Jacob Elordi (Heathcliff) · Hong Chau (Nelly Dean) · Alison Oliver (Isabella Linton) · Shazad Latif (Edgar Linton)
Frankreich 2026 | 100 Minuten | ab 0
Der französische Dokumentarfilmer Vincent Munier streift mit seinem Vater, einem Wald-Experten, sowie seinem Sohn durch die moosbedeckten Wälder der Vogesen, um Tiere wie Füchse, Rehe und das Auerhuhn zu beobachten und zu belauschen. Dabei überlässt er meist seinem Vater das Wort für Gedanken über die Schönheit von Flora und Fauna, deren Lebensraum durch den Menschen bedroht ist. Ein auditiv und bildlich spektakulär inszenierter Dokumentarfilm, der streckenweise aber allzu bemüht ist, die Natur mit Worten einzufangen und in eine arg gekünstelte Generationen-Geschichte einzuhegen. Wo er sich dem Staunen überlässt, vermag der Film tief zu beeindrucken und zum Nachdenken anzuregen. - Ab 12.
Komödie
Regie: Josh Safdie
mit: Timothée Chalamet (Marty Mauser) · Gwyneth Paltrow (Kay Stone) · Odessa A'zion (Rachel Mizler) · Kevin O'Leary (Milton Rockwell) · Koto Kawaguchi (Koto Endo)
USA 2025 | 150 Minuten | ab 12
New York, im Jahr 1952: Ein junger Schuhverkäufer möchte professioneller Tischtennisspieler werden und versucht seinem Ziel so gewitzt wie rücksichtslos und egoistisch näher zu kommen. Ein Schuldenberg und ein anstehendes Match mit seinem Konkurrenten in Japan fordern seinen Erfindungsreichtum schließlich besonders heraus. Zwischen Sportlerdrama und Schelmenstück erzählt der Film mit inhaltlichen Abschweifungen, originellen Einfällen und einer anachronistischen Musikauswahl von einem, der in der Nachkriegszeit hoch hinauswill. Die Stärke des atemlos inszenierten Werks liegt in der markanten Präsenz seiner Figuren und den ständigen Reibungen, die das Drehbuch zwischen ihnen entfacht. - Sehenswert ab 14.
Drama
Regie: Ilker Çatak
mit: Özgü Namal (Derya) · Tansu Biçer (Aziz) · Leyla Smyrna Cabas (Ezgi) · Ipek Bilgin (Frau Güngör) · Aydın Işık (Salih)
Deutschland/Frankreich/Türkei 2024 | 128 Minuten | ab 12
Ein Ehepaar aus der türkischen Theaterszene bringt als Regisseur und Hauptdarstellerin gemeinsam ein Stück auf die Bühne. Doch nach der Premiere verlieren beide durch staatliche Willkür ihre Arbeit. Auch gesellschaftlich steht ihre Existenz immer mehr auf dem Spiel. Sie müssen bei Verwandten unterschlüpfen und sich der Frage stellen, ob sie klein beigeben oder ihre künstlerische Freiheit bewahren wollen. Das Politdrama erzählt davon, wie ein autoritäres Regime widerständige Denkweisen unterdrückt und sein zersetzendes Werk bis in Beziehungen hineinreicht. Das fängt der Film auch formal über die Musik ein, während Kamera und Schnitt demonstrativ das Alltägliche betonen. Indem das Geschehen explizit an deutschen Schauplätzen inszeniert wird, flicht der Film zudem eine explizite Warnung vor totalitären Kräften ein, die nicht auf türkische Verhältnisse begrenzt ist. - Ab 14.
Biopic
Regie: Richard Linklater
mit: Guillaume Marbeck (Jean-Luc Godard) · Zoey Deutch (Jean Seberg) · Aubry Dullin (Jean-Paul Belmondo) · Matthieu Penchinat (Raoul Coutard) · Adrien Rouyard (François Truffaut)
Frankreich/USA 2025 | 106 Minuten | ab 12
Ende der 1950er-Jahre herrscht im französischen Kino Aufbruchstimmung. Als Teil der „Nouvelle Vague“ drehen zahlreiche junge Regisseure ihre ersten Arbeiten. Auch der Filmkritiker Jean-Luc Godard kann einen Produzenten sowie das Hollywood-Starlet Jean Seberg für sein Projekt um einen flüchtenden Dieb gewinnen. Die Dreharbeiten verlaufen jedoch höchst unorthodox. Eine mit großer Sorgfalt umgesetzte Komödie über die Entstehung von Godards bahnbrechendem Debüt „Außer Atem“, in der durch ein verblüffendes Casting, Schwarz-weiß-Ästhetik und handwerkliche Perfektion die damalige Zeit wiedererweckt wird. Der Film lotet die berühmten Figuren nicht sehr tief aus, reißt in seiner Bewunderung für die „Nouvelle Vague“ aber mit und feiert künstlerische Freiheit als Voraussetzung für innovatives Kino. - Ab 14.
Drama
Regie: Olivier Assayas
mit: Paul Dano (Wadim Baranow) · Jude Law (Wladimir Putin) · Alicia Vikander (Ksenia) · Tom Sturridge (Dmitri Sidorow) · Jeffrey Wright (Rowland)
USA/Großbritannien/Frankreich 2025 | 146 Minuten | ab 12
Zur Zeit des Ukraine-Kriegs trifft sich ein US-Journalist mit einem Mann, der bei Wladimir Putins Aufstieg zur Macht eine wichtige Rolle spielte. Aus der russischen Aufbruchsstimmung der 1990er-Jahre hat ihn sein Weg schließlich in den inneren Zirkel des Kremls geführt, wo politische Strategie, mediale Inszenierung und Intrigen ineinandergreifen. Der Historienfilm führt in der schwer durchschaubaren Hauptfigur reale Vorbilder zusammen und bietet eine facettenreiche Analyse, an welchen Stellschrauben der Macht gedreht wurde, um Russlands politisches System mit Putin an der Spitze neu zu justieren. Als Mischung aus Politthriller und Geschichtslektion überzeugt er durch Tempo, Ausstattung und die Analyse eines spezifisch russischen „Advokaten des Teufels“. - Sehenswert ab 16.
Open-Air-Kino in der Kalkberg-Oase.
Freier Eintritt / Hutsammlung
In Kooperation mit der Stadt Bad Segeberg
Drama
Regie: Maria Brendle
mit: Julia Buchmann (Frieda Keller) · Stefan Merki (Walter Gmür) · Rachel Braunschweig (Erna Gmür) · Maximilian Simonischek (Arnold Janggen) · Liliane Amuat (Bertha Keller-Iselin)
Schweiz 2024 | 107 Minuten | ab 16
1904 wird in einem Wald die Leiche eines Kindes entdeckt. Die Mutter gesteht, ihren Sohn getötet zu haben. Nach ihrer Verhaftung entwickelt sich der Prozess zu einem Justizskandal, in dem es zwischen Staatsanwalt und Verteidiger zu erbitterten Auseinandersetzungen um Recht und Gerechtigkeit kommt. Das historische Drama rekapituliert den Fall Schweizer Kindsmörderin Frieda Keller, die aus Verzweiflung und bitterer Not ihren Sohn tötete. Ein sorgfältig inszenierter Film, der die Schuldfrage auf die gesellschaftlichen Verhältnisse ausdehnt und die rigorose patriarchale Ordnung für die Tat mitverantwortlich macht. - Ab 16.
Drama
Regie: Thierry Klifa
mit: Isabelle Huppert (Marianne Farrère) · Laurent Lafitte (Pierre-Alain Fantin) · Marina Foïs (Frédérique Spielman) · Raphaël Personnaz (Jérôme Bonjean) · André Marcon (Guy Farrère)
Frankreich/Belgien 2025 | 123 Minuten | ab 12
Die immens reiche, gelangweilte Erbin eines Kosmetikkonzerns lernt einen Fotografen kennen, der sich mit Charme und Dreistigkeit ihre Gunst erwirbt. Durch die Zuneigung für den lebenslustigen Mann blüht die Milliardärin auf und nimmt auch den Zwist mit ihrer Tochter in Kauf, die mit Anzeige und Entmündigung droht, da ihr die großzügigen Geldgeschenke für den Parvenu gegen den Strich gehen. Eine von der Bettencourt-Affäre inspirierte, treffsichere Gesellschaftssatire auf die abgehobene französische Oberschicht mit einer zwischen Härte und Zerbrechlichkeit schwankenden Hauptfigur. Mit pointierten Dialogen und Anleihen beim Stil von Claude Chabrol entfaltet sich ein hintergründiges komödiantisches Familiendrama. - Ab 14.
Drama
Regie: Zinnini Elkington
mit: Özlem Saglanmak (Alex) · Trine Dyrholm (Camilla) · Mathilde Arcel (Emilie) · Olaf Johannessen (Esben) · Anders Matthesen (Karl)
Dänemark 2025 | 92 Minuten | ab 12
Romantische Komödie
Regie: Jean-Pierre Améris
mit: Gérard Darmon (Antoine Toussaint) · Valérie Lemercier (Victoire) · Patrick Timsit (Claude) · Alice de Lencquesaing (Constance) · Aurélien Cavagna (Baptiste)
Frankreich 2025 | 91 Minuten | ab 6
Ein alternder Sänger mit gesundheitlichen Problemen reist in die Schweiz, wo er sein Leben durch assistierten Suizid beenden lassen will. Auf der Fahrt wird er im Zug von einer redseligen Frau in Beschlag genommen, die ihm auch nach der Ankunft weiter an seine Fersen heftet. Als sie hinter sein Geheimnis kommt, setzt sie alles daran, sein Vorhaben zu verhindern. Klassische Romantikkomödien-Strukturen verbinden sich in dem Film mit dem Ernst von Themen wie Krankheit und Einsamkeit zu einer überzeugenden Mischung. Neben unterhaltsamem Wortwitz und Slapstick setzt er auf eine lebensbejahende Grundhaltung, die auch für anrührende Momente sorgt. - Ab 14.
Komödie
Regie: Amine Adjina
mit: Younès Boucif (Mehdi) · Clara Bretheau (Léa) · Hiam Abbass (Souhila) · Gustave Kervern (Bernard) · Laurent Stocker (Christophe)
Frankreich 2025 | 104 Minuten | ab 6
Ein algerisch-stämmiger Koch träumt von einem eigenen Restaurant mit seiner französischen Freundin in Lyon, verschweigt seiner traditionsbewussten Mutter jedoch die Beziehung. Dadurch verstrickt er sich immer tiefer in Ausreden und Notlösungen und nimmt schließlich den Vorschlag einer Barbesitzerin an, gegen Geld vor seiner Freundin seine Mutter zu verkörpern. Eine Komödie über familiäre Erwartungen, kulturelle Identität und den schwierigen Spagat zwischen Herkunft und selbstbestimmtem Leben. Wirklich neue Facetten gewinnt der Film dem bekannten Culture-Clash-Motiv zwar nicht ab, die kulinarische Ebene und einige temperamentvolle Ausreißer bringen aber Schwung in die Story. - Ab 14.
Dokumentarfilm
Regie: Regina Schilling
mit: Sandra Hüller (Ingeborg Bachmann)
Deutschland/Österreich 2026 | 95 Minuten | ab 6
Eine dokumentarische Annäherung an die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) verbindet originale Bild- und Tonaufnahmen mit einem experimentierfreudigen Zugriff der Schauspielerin Sandra Hüller auf die Autorin. Von der Kindheit über den Aufstieg zum Star der „Gruppe 47“ und Beziehungen mit berühmten Männern wie Paul Celan und Max Frisch werden wichtige Aspekte von Bachmanns Leben angespielt und ihre literarische Bedeutung gewürdigt sowie ihre zerrissene Persönlichkeit angesprochen. Der gewählte Ansatz ist durchaus produktiv, was neben originellen Montage-Ideen vor allem Sandra Hüllers Sprechkunst zu danken ist, neue Erkenntnisse über Bachmann bietet der Film allerdings eher nicht. - Ab 14.
Drama
Regie: Tina Gharavi
mit: Haley Bennett (Katharine Hilbery) · Elyas M'Barek (Ralph Denham) · Lily Allen (Mary Datchet) · Timothy Spall (Mr. Hilbery) · Jennifer Saunders (Mrs. Hilbery)
Deutschland/Großbritannien/Irland 2025 | 95 Minuten | ab 6
Anfang des 20. Jahrhunderts will eine junge Britin aus gutem Hause sich nicht den elterlichen Wünschen nach einer Heirat fügen, sondern strebt ein Mathematikstudium in Cambridge an. Um Zutritt zu einer astronomischen Gesellschaft zu erhalten, verkleidet sie sich sogar als Mann, macht aber eine ernüchternde Erfahrung. Unterstützung in ihrem Freiheitswunsch findet sie jedoch bei ihrem Cousin und einem eingewanderten Sekretär. Eine freie Verfilmung des gleichnamigen Romans von Virginia Woolf, die andere Akzente setzt und durch Einbezug von Vorstellungen des 21. Jahrhunderts eine anachronistische Modernität einfließen lässt. Diese reibt sich immer wieder mit den inhaltlichen Vorgaben, abgesehen von einigen flachen Charakteren fällt der Film aber intelligent und mitreißend aus. - Ab 14.
Drama
Regie: Philippa Lowthorpe
mit: Claire Foy (Helen Macdonald) · Brendan Gleeson (Alisdair Macdonald) · Angus Cooper · Sam Spruell (Stuart) · Josh Dylan (James)
Großbritannien/USA/Singapur 2025 | 120 Minuten | ab 6
Drama
Regie: Yann Samuell
mit: Alexandra Lamy (Fred) · Julien Le Berre (Adam) · Eric Métayer (Paul) · Mélanie Doutey (Nadège) · Cyril Gueï (Freds Mann)
Frankreich/Belgien 2026 | 114 Minuten | ab 12
Eine Lehrerin, die suspendiert wurde, weil sie einen Schüler geschlagen hat, lässt sich auf ein Resozialisierungsprojekt ein. Sie begleitet einen straffällig gewordenen Jugendlichen bei einer Wanderung auf dem Jakobsweg. Mit dieser pädagogischen Maßnahme soll er Disziplin lernen und seine Probleme bewältigen. Zunächst aber kommt es zwischen den beiden ständig zu Streit. Der unterhaltsame Film orientiert sich an den Regeln des Genres, vermeidet aber Klischees und oszilliert zwischen Buddy-Movie und Selbstfindungsdrama. Neben den überzeugenden Hauptdarstellern beeindruckt der Film durch die Landschaften des Pilgerwegs. Zudem sind authentische Erfahrungen von Jugendlichen ins Drehbuch eingeflossen, die solche „Übergangswanderungen“ absolviert haben. - Ab 14.
Dokumentarfilm
Regie: Nepomuk Pfaff
Deutschland 2026 | 87 Minuten | ab 0
20 Uhr im Anschluss Filmgespräch mit Regisseur Nepomuk Pfaff
Die Symbiose zwischen Insekten und Pflanzen hat der Welt eine ungeahnte Vielfalt an Arten und Lebensformen beschert. Die über Jahrmillionen evolutionär gewachsene Verbindung steht heute, im Zeichen des sechsten Massenaussterbens, vor dem Kollaps. Die Naturdokumentation versucht die Faszination für den Formen- und Farbreichtum von Flora und Fauna mit einem Appell für den Artenschutz zu verbinden. Beides geht inhaltlich, aber nicht ästhetisch zusammen. - Ab 10.
Animationsfilm
Regie: Gints Zilbalodis
Lettland 2024
In Kooperation mit der Kulturakademie Segeberg, VJKA und der Gemeinde Latendorf im Rahmen der "SE-Kulturtage"
Ort: Mühlenberghaus, Hauptstraße 39, 24598 Latendorf
Der Film wurde 2025 mit dem Oscar als bester Animationsfilm
ausgezeichnet. Im Jahre 2024 lief er als Eröffnungsfilm der Nordischen
Filmtage in Lübeck.
Eine schwarze Katze kann sich mit einigen anderen Tieren auf einem Segelboot vor einer alles überschwemmenden Flut in Sicherheit bringen. Sie sehen sich enormen Herausforderungen gegenüber, die nur durch Kompromisse und Teamwork gemeistert werden können. Die Geschichte weckt viele Assoziationen von der Klimakrise über Flüchtlingsboote bis zur biblischen Geschichte der Arche Noah. Der atemberaubende Film verzichtet auf Sprache, umgeht eine Vermenschlichung der Tiere und handelt parabelhaft vom Miteinander und einer gelingenden Gemeinschaft. Seine eindrückliche Botschaft wird in betörenden Bildern voller geheimnisvoller Landschaften transportiert. Nur bei der Animation der Tiere, die teils allzu grob gestaltet sind, spürt man die beschränkten Produktionsbedingungen. In inhaltlicher und dramaturgischer Hinsicht weist der Film weit in die Zukunft. - Sehenswert
Komödie
Regie: Hannes Holm
mit: Robert Gustafsson (Ingmar) · Emelia Sallhag (Erika) · Jonas Karlsson (Rolf Burman) · Simon Gregor Carlsson (Daniel) · Enzo Blad Nielsen (Elis)
Schweden 2025 | 109 Minuten | ab 0
Während in Südschweden eine unerträgliche Hitzewelle herrscht und das Trinkwasser knapp wird, entdeckt ein griesgrämiger Witwer in seinem Garten einen geheimnisvollen Wasserhahn. Dreht er diesen auf, beginnt es unerklärlicherweise zu regnen. Da die Bürgermeisterin der nahen Stadt Kalmar die Wasserkrise schnellstens lösen will, ergreift sie die Chance, ein Geschäft mit dem grantigen alten Mann zu machen. Eine nur leidlich unterhaltsame Komödie, die ihre fantastische Prämisse nicht etwa als Warnung vor dem Klimawandel versteht, sondern als Katalysator für den Neustart eines alten, verbitterten Mannes nutzt. Der Witz kocht auf Sparflamme, dem Film fehlen satirische Schärfe und dramatische Höhepunkte. - Ab 14.
Drama
Regie: Jutta Brückner
mit: Corinna Harfouch (Ursula Scheuner) · Carla Juri (Melanie Splitter) · Hildegard Schmahl (Hildegard Scheuner) · Nina Kunzendorf (Sylvia Blockmann) · Samuel Finzi (Bogumil Frindner)
Deutschland 2026 | 95 Minuten | ab 12
Eine Archäologin hat bei Ausgrabungen im Moor eine mumifizierte Frauenleiche entdeckt, die sie weiter untersuchen will, wobei sie nur eine neue, junge Assistentin ins Vertrauen zieht. Zugleich ringt die Wissenschaftlerin mit der Erinnerung an ihre gerade erst verstorbene Mutter. In einer Mischung aus Psychodrama, Wissenschaftskrimi und Mystery knüpft die Filmemacherin Jutta Brückner an frühere Werke über die Komplexität von Mutter-Tochter-Beziehungen an und leuchtet ein schwieriges Verhältnis mit Abgründen und Vorwürfen aus. Symbolisch stark aufgeladen, entziehen sich Bilder und Erzählung der Eindeutigkeit und entgehen mit inszenatorischer Lust und hervorragenden Darstellerinnen einer allzu expliziten Ausformulierung der Seelenlagen. - Sehenswert ab 16.
Drama
Regie: Lars Jessen
mit: Charly Hübner (Paul Gompitz) · Lina Beckmann (Anne Gompitz) · Thorsten Merten (Günter) · Bruno di Chiara (Maurizio) · Jens Münchow (Bootsmann Peter)
Deutschland 2026 | 97 Minuten | ab 6
Anfang der 1980er-Jahre entwickelt ein Ostseeschiffs-Kellner durch die Lektüre von Johann Gottfried Seumes Reisebericht „Spaziergang nach Syrakus“ eine Sehnsucht nach Italien. Die Ausreisebeschränkungen der DDR bremsen ihn zunächst aus, doch geht er beharrlich daran, seine Flucht übers Wasser nach Dänemark zu organisieren. Nach jahrelangen Vorbereitungen kann er seinen Plan durchführen, muss seine Frau aber zurücklassen. Das als Rückblende aus dem Jahr 2006 erzählte Drama erzählt mit melancholischem Grundton von der Freiheitsunterdrückung in der DDR, wobei das spezifische Verlangen der Hauptfigur eher beliebig wirkt. Eindrücklich ist jedoch die akribische Beschreibung der Fluchtdurchführung, bei der es dem Film auf innere Entfremdungsprozesse statt auf vordergründige Spannung ankommt. - Ab 14.
Drama
Regie: Kai Stänicke
mit: Paul Boche (Hein) · Philip Froissant (Friedemann) · Emilia Schüle (Greta) · Stephanie Amarell (Heide) · Jeanette Hain (Jorinde)
Deutschland 2026 | 122 Minuten | ab 6
Nach 14 Jahren Abwesenheit kehrt ein Lehrer vom Festland auf seine heimatliche Nordseeinsel zurück. Doch niemand heißt ihn willkommen, vielmehr begegnen ihm die Bewohner feindselig, und selbst Jugendfreunde geben an, ihn nicht zu kennen. Als ein Gericht zur Feststellung seiner Identität einberufen wird, offenbart sich, dass die Erinnerungen des Mannes grundlegend anders sind als die der Zeugen. Ein entrückter Film zwischen absurder Komödie und Parabel mit kafkaesken Anstrichen, die durch die offene zeitliche Verortung und den namenlosen Schauplatz universelle Züge bekommen. Die Inszenierung nutzt Verfremdungseffekte wie lediglich angedeutete Kulissen, um von Entfremdung und Identitätssuche zu erzählen. - Ab 14.
Biopic
Regie: David Michôd
mit: Sydney Sweeney (Christy Martin) · Ben Foster (Jim Martin) · Merritt Wever (Joyce Salters) · Katy O'Brian (Lisa Holewyne) · Ethan Embry (Johnny Salters)
USA 2026 | 135 Minuten | ab 16
Biopic
Regie: Pawel Pawlikowski
mit: Sandra Hüller (Erika Mann) · Hanns Zischler (Thomas Mann) · August Diehl (Klaus Mann) · Anna Madeley (Betty Knox) · Devid Striesow (Johannes R. Becher)
Polen/Italien/Frankreich/Deutschland 2026 | 82 Minuten | ab 0
Im Sommer 1949 reisen der 74-jährige deutsche Schriftsteller Thomas Mann und seine Tochter Erika erstmals nach dem Ende der Nazi-Herrschaft aus dem US-Exil nach Deutschland. Anlass sind zwei Ehrungen in Frankfurt am Main und in Weimar, wo die Vertreter von West und Ost versuchen, den Rückkehrer zum Bleiben in ihrem jeweiligen Landesteil zu überreden. In Gestalt einer novellistischen Verdichtung mit pointierten Situationen und einigen dramaturgischen Freiheiten stellt das schwarz-weiße Historiendrama die Unmöglichkeit einer Heimkehr in ein erstarrtes Land dar. Dabei arbeitet der Film mit eigenwilligen Stilmitteln, betont jedoch gerade dadurch das Spezifische der Epoche und zeichnet mit formaler und darstellerischer Vollendung die beklemmende Atmosphäre der Zeit nach. - Sehenswert ab 14.
Drama
Regie: Pauline Roenneberg
mit: Lea Drinda (Fanny) · Victoria Mayer (Valerie) · Corinna Harfouch (Marianne) · Karoline Eichhorn (Karoline) · Thomas Mraz (Kasimir)
Deutschland 2026 | 130 Minuten | ab 12
Der Patriarch einer wohlhabenden bayerischen Familie nimmt sich unmittelbar vor dem großen Fest zu seinem 100. Geburtstag das Leben. Seine standesbewusste Witwe versucht an der Feier trotzdem festzuhalten, wozu sie den Todesfall verheimlicht und ihre Kinder und Enkel in die Täuschung mit hineinzieht. Darüber treten immer mehr Lügen und Konflikte der zutiefst zerstrittenen Familie zutage. Das pointierte Drama um privilegierte Menschen, die Verletzungen über Generationen weitergeben, reibt sich mit entlarvendem schwarzem Humor an den Elementen einer Tragödie. Selbstbewusst inszeniert, sind die Darstellerleistungen ebenso ausgezeichnet wie die improvisierten Dialoge. - Ab 14.
Drama
Regie: Anthony Maras
mit: Andrew Scott (James Stagg) · Brendan Fraser (Dwight D. Eisenhower) · Kerry Condon (Captain Kay Summersby) · Chris Messina (Irving P. Krick) · Damian Lewis (Bernard Montgomery)
Großbritannien/Frankreich 2026 | 100 Minuten | ab 12
Wenige Tage vor der geplanten Invasion der Alliierten in der Normandie 1944 feilt die Militärführung unter US General Dwight D. Eisenhower an den letzten Details. Ein britischer Meteorologe, der mit aktuellen Daten von Wetterdiensten arbeitet, soll eine „verlässliche“ Wetterprognose abgeben und gerät dabei in einen erbitterten Konflikt mit einem US-amerikanischen Kollegen, der sich auf jahrzehntealte Messdaten stützt. Das dialogbetonte Kriegsdrama nähert sich dem D-Day formal konventionell, aber aus der ungewöhnlichen Perspektive der Meteorologie. Aus dem Zusammenspiel von wetterkundlicher Arbeit, tatsächlicher Wetterentwicklung und politischen beziehungsweise militärischen Entscheidungen entwickelt sich ein Thriller, der trotz des Wissens um den Ausgang Spannung aufbauen kann. - Ab 14.
Drama
Regie: Doris Dörrie
mit: Angela Winkler (Frau Winkler) · Laura Tonke (Emi) · Josef Ellers (Pawlowitsch / Bruno) · Via Jikeli (Selma) · Zoë Baier (Billie)
Deutschland 2026 | 119 Minuten | ab 12
Als eine 80-jährige Frau stürzt und zum Pflegefall wird, besorgt ihre überforderte Tochter einen humanoiden Pflegeroboter. Zuerst rebelliert die Seniorin gegen die Maschinenbetreuung. Doch da der Roboter ihre literarischen Vorlieben teilt und ihr auch sonst die fehlenden zwischenmenschlichen Kontakte ersetzt, freundet sie sich mehr und mehr mit ihm an. Die in der nahen Zukunft angesiedelte Tragikomödie besticht durch die einfühlsame Darstellung eines Pflegefalls, die differenzierte Schilderung von KI-Anwendungen und einen leisen Humor. Zudem strahlt der dialogreiche, ausgezeichnet gespielte Film trotz ernster Themen von Pflegenotstand bis zur Sterbehilfe eine bemerkenswerte Leichtigkeit aus. - Sehenswert ab 14.
Drama
Regie: Andreas Dresen
mit: Dagmar Manzel (Lore) · Joachim Król (Harry) · Anna von Seld (Laura) · Liane Düsterhöft (Leni)
Deutschland 2026 | 110 Minuten | ab 6
Ein Mann und eine Frau sind seit 40 Jahren verheiratet und haben sich in ihrer Ehe miteinander eingerichtet, auch wenn sie sich mitunter gehörig auf die Nerven gehen. Das übersetzt die Literaturverfilmung mit wiederkehrenden Ritualen, kleinen Gesten und alltäglichen Reibereien ins Filmische, wobei der eher ereignisarme Alltag des Paars durch elliptische Momente und den Rhythmus der Jahreszeiten strukturiert wird. Ein in den Hauptrollen glänzend besetzter und mit viel Herzblut gespielter Film, der in seinen unspektakulären Alltagsbeobachtungen eine große emotionale Kraft entwickelt und neben seelischen Verletzungen auch die tiefe Verbundenheit der Partner sichtbar macht. - Sehenswert ab 14.
Drama
Regie: Aron Lehmann
mit: Rosalie Thomass (Cornelia) · Golo Euler (Werner) · Elise Lindner (Ela) · Rainer Laupichler (Opa Adam) · Anneke Kim Sarnau (Tante Lu)
Deutschland 2026 | 106 Minuten | ab 12
In den 1980er-Jahren folgt eine lebenslustige Frau ihrem Mann in die rheinland-pfälzische Provinz und kümmert sich um die gemeinsame Tochter. Die beobachtet aus kindlicher Perspektive, wie der Vater die Schuld für seinen überschaubaren beruflichen Erfolg auf die Mutter und deren Körpergewicht schiebt. So zielt er mit abwertenden Bemerkungen auf die mütterlichen Kilos, kontrolliert ihr Gewicht und will sie um jeden Preis zum Abnehmen drängen, sodass sie nur mit größter Mühe ihr Selbstwertgefühl behaupten kann. Das Drama über eine Zeit, in der die weibliche Befreiung aus patriarchaler Kontrolle gerade erst ihren Anfang nahm, reduziert die autobiografische Literaturvorlage auf das Gewichtsthema und ist als Zeitanalyse schwammig. Qualitäten besitzt der Film vor allem in der Übernahme der kindlichen Erzählerinnen-Kommentare und im feinfühligen Spiel der Darsteller. - Ab 14.
Drama
Regie: Volker Schlöndorff
mit: Martina Gedeck (Schriftstellerin) · Lars Eidinger (Architekt) · Susanne Wolff (Frau des Architekten) · Michael Maertens (Journalist) · Ulrich Matthes (Tuchfabrikant)
Deutschland 2026 | 121 Minuten | ab 12